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Fehlprognosen: Travetunnel / Warnow-Tunnel
Im Jahr 1999 beschloss die Lübecker Bürgerschaft mit CDU-Mehrheit, an der Stelle einer veralteten Klappbrücke über die Trave einen Tunel zu bauen, der als PPP-Projekt angelegt wurde. Die Bau- und Betriebskosten für dreißig Jahre sollten durch dieErhebung einer Tunnel-Maut hereinkommen. Über das Projektwurde einGrundsatzbeschluss gefaßt, eine Einsicht in die Verträge und eine Prüfung der zugrundeliegenden Annahmen war nicht möglich. Obwohl der Bund füreine neue Brücke den Betrag von 90 Mio Euro zur Verfügung gestellt hätte, wollten die Verantwortlichen in der Hanstestadt .ieber "dieses anspruchsvolle, aber inhaltsleere Ziel" verfolgen. Projektiert wurde mit einer Annahme von täglich 40.000 PKWs beieiner Maut von 0,90 Euro – an kam im Jahr 2008 nurauf 20.000 Fahrzeuge, die Mautm ußte entsprechend auf 1.20 Euro erhöht werden. Die Autofahrer bevorzugen den Umwege durch die verstopfte Innenstadt. In Sorge um ihre erwarteten Gewinne berechneten die Investoren der Stadt eine fünfstellige Mautgebühr für den Busverkehr. Außerdem verlängerte man die Betriebsphase auf 50 Jahre – in der Hoffnung, die zusätzlichen Einnahmenaus zwei Jahrzehnten durch einen Forderungsverkauf zu Geld machen zu können. Nachdem die Lübecker Bürger fünfzig Jahre lang die Gebühren und die Maut gezahlt haben, wollen die großzügigen Investoren ihnen den Tunnel "zum Geschenk" machen. (Werner Rügemer: Heuschrecken im öffentlichen Raum. Bielfeld: transkript 2008)
